| Auf
Streife mit Laptop und Pumpgun
Schaumburger Polizisten zu Besuch in Schaumburg, Illinois
Die Schaumburger Deutsch-Amerikanische Gesellsvhaft hat es
möglich gemacht, dass fünf Polizisten der Polizeidirektion
Schaumburg elf Tage zu Gast beim Schaumburg Police Department
in Schaumburg Illinois, USA, waren. Schon die Abholung vom
Flughafen mit dem Streifenwagen war "standesgemäß".
Sergeant Mike Bowden, Koordinator des Austausches auf amerikanischer
Seite, nutzte den ersten Kontakt gleich zu einem Rundgang
durch die erst ein Jahr alte Einsatzzentrale mit mehr als
60 Streifenwagen.
Untergebracht waren die Niedersachsen in der Familie eines
amerikanischen Kollegen, was für alle eine neue, aber
auch sehr positive Erfahrung war. Man lernt den sog. "american
way of live" hautnah kennen; eventuell bestehende Sichtweisen
aus Fernsehen oder anderen Medien werden korrigiert.
In den folgenden Tagen erfuhren die Deutschen im Dienstalltag
viel über Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Vor allem
die sichtbaren Unterschiede beeindruckten die Polizisten aus
dem Landkreis sehr: die Streifenwagen sind mit GPS, Laptop
mit Zugang zu polizeilichen Fahndungssystemen sowie Internetverbindung
und Pumpgun ausgestattet. Die Polizisten fahren ohne Partner
auf Streife. Zu ihrer Sicherheit tragen sie Schusswesten und
ein Mikro zur Gesprächsaufzeichnung an der Kleidung.
Aber auch bei den polizeilichen Maßnahmen zeigen sich
Unterschiede. Verkehrskontrollen sind nur nach Erkennen eines
konkreten Vorstoßes möglich und bei Fahrten unter
Alkoholeinfluß sind keine Blutproben unter Zwang erlaubt.
Gemeinsam mit den amerikanischen Kollegen ging man von Sonnabend
auf Sonntag auf Streife. Es wurde eine der typischen Wochenendnächte:
16 Funkstreifen im Einsatz, vier Trunkenheitsfahrten, diverse
Barschlägereien, mehrere Fehlalarme, ein aufgefundener
Toter in einer Wohnung usw.
Natürlich wurde nicht nur Dienst versehen. In einem
ausgiebigen Sihgtseeing-Programm besichtigten die Besucher
aus Deutschland die Stadt Schaumburg, ihr Umland und natürlich
auch Chicago. Bei einem Rundflug erlebten sie Schaumburg aus
der Luft, besuchten eine der vier Wachen der Schaumburger
Berufsfeuerwehr und die Fahrt auf einem Boot der Wasserschutzpolizei
der Stadt Chicago auf dem Lake Michigan mit der wohl besten
Sicht auf die Skyline Chicagos rundeten den Aufenthalt ab.
Schon heute freuen sich die deutschen Teilnehmer auf den
Gegenbesuch der amerikanischen Kollegen.
Erfahrungsbericht von Tamara Riechers
/ PI Schaumburg, Stadthagen und Klaus-Dieter Budde / PK Rinteln
Der Zusammenarbeit der "Schaumburger Deutsch - Amerikanischen
Gesellschaft" (SDAG) und der amerikanischen Gesellschaft
"Schaumburg Sister Cities" ist es zu verdanken,
dass fünf Polizeibeamte aus dem Bereich der Polizeiinspektion
Schaumburg zu einem elftägigen Aufenthalt nach Schaumburg/Illinois
aufbrechen konnten. Am Mittwoch, 5. Mai, wurden PHK Klaus-Dieter
Budde und PK Jan Wegener vom Polizeikommissariat Rinteln sowie
POK Ralf Stöber, PK´in Tamara Riechers und PK Tobias
Giesbert von der Polizeiinspektion Schaumburg in Stadthagen
von den Kollegen in Chicago schon kurz nach dem Verlassen
des Flugzeugs herzlich empfangen. Nach einer recht schnellen
Erledigung der Formalitäten wurden alle "standesgemäß"
mit Streifenwagen zur Dienststelle nach Schaumburg gefahren.
Die Stadt liegt ca. 30 Meilen nordwestlich von Chicago und
zählt etwa 80.000 Einwohner.
In der Dienststelle nutzte Sergeant Michael Bowden, Koordinator
des Austausches beim Police Department Schaumburg, den ersten
Kontakt zu einem Rundgang im Dienstgebäude. Erste überwältigende
Eindrücke über die mehr als üppige Ausstattung
des Departments mit mehr als 60 Dienstfahrzeugen (die eigentlichen
Streifenwagen haben in der Regel einen 8-Zylinder-Motor mit
weit über 4 Liter Hubraum und mehr als 300 PS), mehreren
Harley Davidson Dienstmotorrädern und einer auf dem neuesten
Standard gebauten, erst ein Jahr alten und ca. 23 Millionen
Dollar teuren Einsatzzentrale, waren für die Gäste
mehr als beeindruckend.
Ein späterer Empfang beim Direktor der Polizei und dem
Bürgermeister machte die überall entgegengebrachte
Gastfreundschaft noch deutlicher. Die Teilnehmer waren bei
je einem Kollegen des "Schaumburg Police Department"
und seiner Familie untergebracht, was für alle eine neue,
aber auch sehr positive Erfahrung war. In den kommenden Tagen
hatte jeder die Möglichkeit, nicht nur die Dienststelle
mit ihren verschiedenen Abteilungen zu sehen, sondern auch
den dienstlichen Alltag hautnah zu erleben, was für die
Teilnehmer natürlich von besonderem Interesse war.
PK Wegener hatte die Gelegenheit "ganz normal"
mit auf Streife in einem der 10 Abschnitte in der Stadt zu
fahren und Einsätze von häuslicher Gewalt über
Alarmauslösungen und Diebstähle mit "zu bearbeiten".
POK Stöber ging mit in Schulen und nahm an Anti-Drogen/Gewalt
- Unterrichten teil, die fester Bestandteil einer Präventionseinheit
sind. Es gibt sogar Polizeibeamte, die ausschließlich
für eine Schule zuständig sind und nur dort ihren
Dienst versehen. PK Giesbert hatte die Möglichkeit, die
Arbeit eines K9-Officers (Polizeihundführer) in gesamter
Bandbreite mitzuerleben. PHK Budde lernte von Stabsarbeit
über Spezialbereiche und normale Streifentätigkeit
alle wesentlichen polizeilichen Arbeitsbereiche kennen. Viele
Trunkenheitsfahrten und Unterstützungen bei sehr unterschiedlichen
Einsätzen in allen Bereichen der Stadt konnte PK´in
Riechers miterleben. Ein aus Deutschland mitgebrachter, von
einem Probanden freiwillig durchgeführter Mahsan-Drogentest,
führte dann auch zu einem positiven Ergebnis. Der "Kunde"
wurde selbstverständlich dafür nicht belangt, aber
der Test führte zu Staunen und Begeisterung seitens der
amerikanischen Kollegen, da solche Tests in dem Department
nicht angewandt werden.
Das Policedepartment Schaumburg hat ca. 150 Mitarbeiter im
Polizeidienst. Hierbei werden drei verschiedene Gruppen unterschieden:
Bei der ersten Gruppe handelt es sich um unbewaffnete Angestellte,
die in der gemeinsamen Einsatzzentrale für Polizei und
Feuerwehr arbeiten. Bei der zweiten Gruppe handelt es sich
um unbewaffnete Unterstützungskräfte im Kriminaldienst
und beispielsweise auch Angestellte, die als Hundefänger
bzw. Überwachungskräfte im ruhenden Verkehr tätig
sind. Bei der dritten Gruppe handelt es sich um die eigentlichen
Polizeikräfte. Deren Gliederung ist ähnlich dem
hiesigen Prinzip. Es gibt einen Einsatz-und Streifendienst
(Patrol Unit), eine Verkehrseinheit (Traffic Unit) und einen
Kriminaldienst (Detectives).
Unterschiede zu der Arbeit hier im Landkreis Schaumburg wurden
schnell deutlich: Die Fahrzeuge sind mit GPS, Laptop mit Zugang
zu polizeilichen Fahndungssystemen sowie Internetverbindung,
Radar zur Geschwindigkeitsmessung und Pumpgun ausgerüstet.
Die Polizisten fahren ohne Partner auf Streife und finden
zusätzliche Sicherheit durch dienstliche Schusswesten,
Gesprächsaufzeichnung über Mikrofon an der Kleidung
und Kamera im Streifenwagen sowie eine klare bauliche Trennung
der Rückbank zu den Vordersitzen. Auch bei polizeilichen
Maßnahmen zeigten sich Unterschiede. Zum Beispiel sind
Verfolgungsfahrten nur eingeschränkt bei besonders schwerwiegenden
Straftaten zulässig. Verkehrskontrollen sind nur nach
Erkennen eines konkreten Verstoßes möglich und
bei Fahrten unter dem Einfluss alkoholischer Getränke
sind keine Blutproben unter Zwang erlaubt. Interessant ist
auch, dass die Polizisten zu Beginn des Jahres festlegen,
welche Schicht sie das ganze Jahr arbeiten wollen. Zum Beispiel
nur Nachtdienst. Sie versehen dann vier Tage Dienst und haben
dann zwei Tage frei. Das Wochenende ist gesondert geregelt.
Die Polizeianfänger besuchen für mehrere Wochen
eine der vier Polizeischulen im Staat Illinois und werden
danach als Policeofficer in einer Stadt eingesetzt. Dieser
Status kann bis zur Pensionierung, die bereits mit 50 Jahren
möglich ist, beibehalten werden. Für die erste Führungsebene
(Sergeant) ist eine zweijährige nebenberufliche Weiterbildung
erforderlich. Die zweite Führungsebene (Lieutenant) erfordert
abermals eine zweijährige nebenberufliche Aus-/Fortbildung.
Die dritte Führungsebene (Captain) ist nach einer vierjährigen
Ausbildung zu erreichen. Die Führungscrew des Departments
bilden zwei Chiefs (aus den Reihen der Captains ernannt) und
der Director (politisch ins Amt gesetzt).
Was viele Gespräche aber deutlich ergaben, war, dass
Polizisten auf der Welt sich doch sehr ähnlich sind -
im Denken, wie auch im situationsspezifischem Handeln.
Natürlich wurde nicht nur Dienst versehen, sondern in
einem ausführlichen Besichtigungsprogramm die Stadt Schaumburg,
ihr Umland und natürlich auch Chicago erkundet. Ein Rundflug
mit einer Cesna zeigte Schaumburg aus der Luft, ein Besuch
bei der Feuerwehr, der ältesten Kirche und Grundschule
sowie der Fahrt auf einem Boot der Wasserschutzpolizei der
Stadt Chicago mit der wohl besten Sicht auf die Skyline und
natürlich der Besuch eines Baseballspiels mit Platz im
VIP-Bereich rundete den Aufenthalt ab.
Zum Ende des Aufenthaltes versahen dann noch einmal alle
Teilnehmer des Austausches gemeinsam mit ihren amerikanischen
Partnern in der Nacht von Samstag zu Sonntag Dienst.
Es wurde eine der typischen Wochenendnächte: 16 Funkstreifen
im Einsatz, 4 Trunkenheitsfahrten, diverse Barschlägereien,
mehrere Fehlalarme, ein aufgefundener Toter in einer Wohnung,
Familienstreitigkeiten und ein angetrunkener älterer
Herr, der seine Freundin nach Hause bringen wollte und dabei
deren Garage mit der des Nachbarn verwechselte und nach Durchbrechen
der Garagenwand mit seinem Pkw dem darin stehenden fast neuen
Porsche eine etwas andere Optik verpasste.
Am Sonntag, 16. Mai, hieß es dann Abschied nehmen.
Die Koffer durch Mitbringsel schwerer als vorher.
Am Sonntag, 30. Mai, landeten dann zwei der amerikanischen
Kollegen auf dem Flughafen Hannover. Dank der Unterstützung
des BGS konnten die beiden von ihren "alten Partnern"
POK Ralf Stöber und PK´in Tamara Riechers direkt
am Flugzeug in Empfang genommen werden. Da Jetlag anscheinend
keine Rolle spielte, bestanden Officer Charles Read und Stephen
Baima darauf, gleich von Sonntag auf Montag einen Nachtdienst
in der Polizeiinspektion in Stadthagen zu versehen. Das Pfingstbier
mit einigen Schlägereien, die in einem Fall zwei Blutentnahmen
bei Beschuldigten einer angezeigten Körperverletzung
mit sich brachten, war nur ein Teil des gebührenden Einstandes.
In den kommenden Tagen konnten die Officer des Schaumburg
Police Department, und das auch Dank der Unterstützung
aller am Austausch teilgenommenen Beamten der Polizeiinspektion
Schaumburg, neben der Hubschrauberstaffel, der Wirkung eines
Wasserwerfers und eines Sonderwagens in der Bereitschaftspolizei
Hannover, dem doch stattlichen Fuhrpark des MVD auch die Arbeitsweise
und Einsatzbereiche des SEK kennen lernen. Wie es sich anfühlt,
"Täter" in den Augen eines Diensthundes zu
sein oder zu sehen, wie Dienstpferde im wahrsten Sinn durchs
Feuer gehen, durften die beiden in den Dienststellen am Welfenplatz
erleben.
Nach einem offiziellen "Welcome" in der Polizeiinspektion
Schaumburg durch deren Leiter, Polizeidirektor Ermerling,
ging es zu einer beschaulichen Fahrt auf der Weser, natürlich
mit der Wasserschutzpolizei Hameln. Dem folgte ein Stadtbummel
mit fachkundiger und vor allem englischsprachiger Führung
durch PHK Heppner vom Polizeikommissariat Hameln. Abgerundet
wurde der Abend durch ein geselliges Grillen.
Zwischendrin hatten Charles Read und Stephen Baima dann noch
die Gelegenheit, Stadthagen "aus der Luft" zu erleben.
Sie durften bei der Feuerwehr Stadthagen mit der Drehleiter
hoch hinaus fahren. Bei einem Besuch der Autobahnpolizei in
Garbsen kam der Unfallexperte unter den amerikanischen Kollegen,
Charles Read, auf seine Kosten. Ein Lkw-Unfall brachte so
richtig Farbe in den Vormittag. Ein mit weißer Wandfarbe
beladener Lkw war mit zwei weiteren Lkw auf der A 2 kollidiert
und Read "unterstützte"seine deutschen Kollegen.
Eine Fahrt im PPS-Wagen und später in einem Daimler-Benz
Streifenwagen hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Um den "Normaldienst" nicht zu kurz kommen zu lassen,
versahen die beiden zusammen mit ihren deutschen Kollegen
an diesem Abend einen übergreifenden Spät-/Nachtdienst
in deren Dienstabteilungen.
Ein durch die SDAG gestalteter Tag zeigte dann einen Teil
der Kultur im Schaumburger Land. Nach einem Empfang beim Landkreis
Schaumburg in Stadthagen, wurden alle sehr herzlich von Fürst
Alexander zu Schaumburg-Lippe empfangen. Natürlich wurde
auch das Schloss Bückeburg besichtigt. Ein Mittagessen
an der Weser, ein Übersetzen in einer der typischen Fähren
und der Besuch der Schaumburg, des gleichnamigen Ortes und
der Paschenburg wurde durch bedeckten Himmel und Nieselregen
etwas getrübt. Ein Stadtrundgang in Rinteln und ein Essen
im "Waldkater" beendeten diesen von den amerikanischen
Kollegen als sehr eindrucksvoll empfundenen Tag. Für
Stephen Baima war es ein Abschiedsessen. Aufgrund dienstlicher
Verpflichtungen musste er am Samstag, 05. Mai, wieder nach
Hause fliegen. Charles Read konnte noch ein freies Wochenende
genießen. Er lernte Hannover und das Steinhuder Meer
mit einer Fahrt zum Wilhelmstein kennen und er feierte den
50. Geburtstag eines Kollegen mit.
Nach einem Abstecher zum Polizeikommissariat Rinteln und schnellem
Kofferpacken ging es dann noch mal los zu einer Abschlussrunde
im Streifenwagen durch Stadthagen. Am frühen Dienstagmorgen
musste auch er dann seine Heimreise antreten.
Die beiden lebten für die Zeit ihres Aufenthaltes mit
in den Familien ihrer deutschen Austauschpartner. Ein Essen
mit beiden Gastfamilien, ein "bayrischer" Abend,
aber auch Einkaufen oder eine Tour durch das jeweilige Umland
der Wohnorte gehörte neben Dienst natürlich auch
dazu.
Dank der mit Nachdruck bei dem Direktor der Polizei sowie
dem Bürgermeister in Schaumburg/Illinois durch PHK Budde
und Sergeant Bowden vorgetragenen Bitte, den anderen beiden
Kollegen die Möglichkeit eines Gegenbesuches in Deutschland
auch zu geben, konnte die Zusage für den September diesen
Jahres gegeben werden.
Schon jetzt sehen PK Jan Wegener und PK Tobias Giesbert erwartungsvoll
dem dann anstehenden Besuch ihrer Austauschpartner entgegen.
Da das Interesse an diesem Austauschprogramm in beiden Ländern
sehr groß ist, bleibt zu hoffen, dass diese Möglichkeit
des großartigen Erfahrungsaustausches weiterhin Unterstützung
findet.
Auf diesem Wege sei nochmals allen Beteiligten gedankt. Besonderer
Dank gilt den besuchten Dienststellen und der Polizeiinspektion
Schaumburg, die die umfangreichen, positiven und, wie die
beiden Officer mehrfach betont haben, unvergesslichen Erfahrungen
möglich gemacht und mit allen Kräften unterstützt
haben. |