Schaumburger Deutsch-Amerikanische Gesellschaft e.V.
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Dr. Stephan Walter mit der Stadtfahne von CreteKreta als Ziel Schaumburger Auswanderer
Nicht die Mittelmeerinsel, sondern neu entdeckte Spuren in den USA

HOHNHORST (wm). Wer hat hier je von einem Ort namens Crete gehört? Auf Deutsch heißt das Kreta, aber es ist nicht das griechische Kreta, sondern eines in den USA. Und was hat es mit Hohnhorst zu tun? Nun, genau genommen auch mit Ohndorf, Haste, Idensermoor, Kreuzriehe, Horsten, Beckedorf und anderen Dörfern der Umgebung. Aus allen diesen Orten stammt die Bevölkerung von Crete, Hohnhorst liegt einfach nur mittendrin im Herkunftsland.
Die Delegation der Schaumburger Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft, die kürzlich in Schaumburg (Illinois) den Freundschaftsstein enthüllen half, traute zuerst ihren Augen nicht, fuhr dann aber kurz entschlossen hin. Da gibt es achtzig Kilometer entfernt - nicht nordwestlich, sondern südlich von Chicago, auch in Illinois, aber an der Grenze zu Indiana - eine Stadt von vielleicht 7000 Einwohnern, die genau so Schaumburger Ursprungs ist. Nur dass hier die Siedler aus unserem Flachland überwogen. Allerdings stammte der erste, der sich in Crete niederließ, Wilhelm Rinne, ebenso aus Reinsdorf wie Friedrich Nerge, der Gründer des Ortes Schaumburg. Der zweite war Johann Meier aus Ohndorf, der sich 1844 auf dem Auswandererschiff in Rinnes Tochter verliebte. Der dritte war Johann Wilkening aus Groß Hegesdorf. Dann folgten Johann Diersen aus Feggendorf, Heinrich Tatge aus Algesdorf, Familie Rohe aus Hohnhorst.
So ging das weiter; an die zweihundert deutsche Familiennamen sind in der Gegend um Crete nachweisbar. Die folgenden gibt es noch heute: Biesterfeld (aus Lyhren), Bruns (Haste), Dohmeyer, Seehausen und Steiber (Hohnhorst), Haemker (Hülshagen), Halfeldt (Vornhagen), Hartmann und Tegtmeier (Horsten), Diersen und Hohmeyer (Feggendorf), Koelling (Probsthagen), Meier und Most (Ohndorf), Oldendorf und Riechers (Idensermoor), Piepenbrink (zwei, aus Beckedorf und Ohndorf); und die erwähnten Wilkenings und Tatges. Carol Triebold, Heimatforscherin in Crete, erzählt von ihren Vorfahren, auf Englisch: "Es waren Wassmanns und Ohlendorfs aus Idensen, Triebolds aus Mesmerode und Wehlings aus Poggenhagen. Ich kann wohl sagen, dass ich ein echter Trieb der Schaumburger (bzw. Hannoveraner) bin." Ihr Großvater Triebold wurde sogar als Blinder Passagier im Kesselraum versteckt, bis das Schiff auf See war.
St. Johannes, lutherische Kirche in Crete

Wie die überraschende neue Verbindung der Schaumburger Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft nach Crete zustande kam, welchen Eindruck der Besuch der Stadt auf die Delegation machte und was ihr dort alles erzählt wurde, darüber ein andermal mehr. Hier nur die merkwürdige Geschichte, wie der Ort zu seinem Mittelmeernamen kam: Es gab die Siedlung schon ein paar Jahre vor der Ankunft der Deutschen. Sie sollte einen endgültigen Namen bekommen, am besten einen biblischen. Man stach dazu aufs Geratewohl mit dem Messer zwischen die Seiten einer Bibel und erwartete sicher so etwas wie Betlehem oder Nazaret. Aber nein, das Messer traf die Apostelgeschichte, Paulus reiste gerade nach Kreta. Welch Unterschied zu der Nerge-Story, die wir kennen: "Schaumburg schall et heiten!" Aber vermutlich war Crete damals mindestens so deutsch wie Schaumburg.

Wochenblatt vom 15.11.06 / Foto: wm -
St. Johannes, lutherische Kirche in Crete (von 866); Anklang an Hohnhorst?
Dr. Stephan Walter mit der Stadtfahne von Crete, einem Geschenk.

 

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