Schaumburger Deutsch-Amerikanische Gesellschaft e.V.
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Die Rodenberger Landstraße in Amerika
Besichtigung einer Rarität, von der wenige wissen, dass es sie gibt

RODENBERG. Dass in der Umgebung ein paar Straßen nach Rodenberg benannt sind, ist kein Wunder; in Bad Nenndorf, Lauenau, Apelern, Habichhorst und sogar im hannoverschen Stadtteil Oberricklingen. Gespannt war ich aber doch auf den einen großen "Ausreißer": in den USA, Schaumburg in Illinois. Ich habe mir die Straße jetzt ansehen dürfen. Es gibt sie wirklich, sogar als Ausfahrt einer Schnellstraße vom Flughafen Chicago. Rodenburg Road, Rodenberger Landstraße.
Man schreibt fälschlich -burg statt -berg, aber das ist normal, denn beides wird ja im Englischen "-börg" gesprochen. Hamburg, Augsburg, aber Nürnberg, Bamberg, wer soll das auseinander halten? Ich fand gleich noch zwei weitere Beispiele dieser Art. Biesterfield Road heißt die nächste große Ausfahrt. Natürlich war der Namensgeber ein Biesterfeld, aber Feld heißt auf Englisch nun mal field. Und eine der großen Durchgangsstraßen schreibt sich Wise Road (mit "ai" gesprochen), doch da hat man es gemerkt und ein Korrekturschild angebracht "historisch Wiese".
So hießen sie nun einmal, die Auswanderer aus unserer Gegend, die um 1850 dort Land parzellierten und fast alle aus Apelern und Umgebung stammten. Viele Straßen sind nach ihnen benannt: Ich fand Bode, Bokelmann, Busse, Hartmann, Hartung, Hattendorf, Kirchoff, Nerge, Rohlwing, Volkening, Wilkening, Wilke. Oder auch die Springinsguth Road, die nach der Bahnstation führt wie die Rodenburg Road nach dem Regionalflugplatz. Es gibt auch eine Hanover Street, ein Nachbarort heißt Hanover Park, und wie nennt sich die historische Hauptstraße unserer Siedler? Natürlich Schaumburg Road.
Interessanterweise trägt aber keine einzige einen Schaumburger Ortsnamen - mit Ausnahme von Rodenberg. Man hört, einigen Siedlern sei der Weg nach ihrer angestammten Petrikirche und -schule sehr weit erschienen (6 Kilometer, das war schon allerlei zu Fuß oder für Pferdefuhrwerke), deshalb hätten sie im Süden der Schaumburg-Fläche - die etwa 12 Kilometer im Quadrat misst - ein eigenes kleines Johanneskirchlein gebaut. Den alten Friedhof dazu habe ich mir angesehen, an einer Ecke der Rodenberger Landstraße, die Kirche ist allerdings durch eine neue ersetzt. Nach einer Flurkarte um 1880 gehörte das Farmgelände dort verschiedenen Meyers und Hasemanns. Ob die aus Rodenberg kamen?
So aufregend es ist, dass die Straßenbezeichnung existiert und jeder sie dort ganz selbstverständlich kennt (jeder fährt Auto, es gibt keine Fußgänger und keine öffentlichen Verkehrsmittel), so wenig bietet die Straße dem Auge. Eine breite, mehrspurige Ausfallstraße, sanft abfallend, mit weit ausladenden flachen Böschungen, alle grün und frisch gemäht. Keine Wohnbauten, nur ein paar ziegelrote Büroblöcke. Und eben die Kirche St. Johns mit einem niedrigen Turm und vielen Nebenbauten, gegenüber davon unter großen Bäumen der alte Friedhof mit den deutschen Inschriften. Ich habe aber keine Namen gefunden, zu denen ich irgendeine historische Beziehung herstellen konnte, auch jede Nennung von Heimatorten fehlt (während bei St. Peter viele Grabsteine auf Geburtsorte wie Apelern, Lyhren, Groß Hegesdorf, Reinsdorf und andere hinweisen). Das war mein Besuch in der Rodenberg/-burg Road. Ob man mit mehr Zeit nicht doch noch etwas entdecken könnte?

Wochenblatt vom 16.09.06 / Foto + Text: wm

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